Eine von uns in Schanghai Teil III

Eine von uns in Schanghai Teil III

Wie lebt es sich als Expatriate in Schanghai?

Diese Frage wurde mir in den letzten acht Monaten wohl gut und gerne hundert-mal und mehr gestellt.

Mein „neues“ Leben in einer der größten Metropolen der Welt war vom ersten Tag an aufregend. Alles ist anders, spannend und neu, der gesamte Alltag und Tagesablauf ist auf den Kopf gestellt, und diese Stadt ist so pulsierend und schnelllebig, dass man das Gefühl hat, direkt in einen Strudel geraten zu sein.

Unsere deutschen Großstädte kommen mir im Vergleich zur 24-Millionen-Metropole Schanghai mittlerweile idyllisch klein vor. Im ersten Augenblick wirkt diese Stadt mit großen Ausmaßen, dem meist dichten Verkehr auf mehrspurigen Straßen inklusive der Hochstraßen, den vielen Menschen und Hochhäusern sowie dem allgegenwärtigen Lärm fast erdrückend. Aber man findet hier auch ruhigere Flecken, wie zum Beispiel Bereiche im Stadtteil French Concession. Hier gibt es man grüne Alleen, kleine Lädchen, gemütliche Cafés und Weinbars. Auf der anderen Seite liegt die Skyline von Shanghai und man kann den atemberaubenden Blick auf den Bund mit seinen Kolonialbauten sowie auf die Pudong-Seite mit dem Financial District von einer der unzähligen Dachterrassen (Rooftop Bars) genießen.

Lediglich beim Wetter und der Luftqualität muss man Abstriche machen. Zuweilen macht einem das feuchte (derzeit sehr warme) Klima doch ein wenig zu schaffen. Und auch das Joggen am Bund bei frischer, gesunder Luft hat hier Seltenheitswert. Die vielen lokalen und internationalen Restaurants, Bars, Clubs und Café’s gleichen diese Nachteile aber aus, lassen keine kulinarischen Wünsche offen und bieten für jedes Alter und jeden Geschmack etwas. Zudem kann man sich in der Stadt aufgrund des sehr ausländerfreundlich (zweisprachig und vielfarbig) und gut ausgebauten Metro-Netzes sehr leicht zurechtfinden und fortbewegen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Taxis, und die Beförderungskosten sind im Vergleich zu den deutschen Preisen sehr günstig. Die einzige Schwierigkeit stellt die Sprachbarriere dar, da die meisten Taxifahrer kein Englisch sprechen. Aber nach ein paar intensiven Chinesischstunden klappt es mit dem Taxi-Chinesisch ganz gut.

Eine Stadt der Gegensätze
Schanghai erlebe ich auch als eine Stadt der Gegensätze und Besonderheiten. Man sieht tagsüber auf der Straße Menschen im Pyjama ebenso häufig wie die durchgestylte, mit Prada-Handtasche ausgestattete Chinesin. Der pinkfarbene Porsche Cayenne gehört genauso zum Straßenbild wie es die Unmengen alter, klappriger Fahrräder mit voll beladenen Anhägern prägen, von den stets unbeleuchteten Elektrobikes ganz zu schweigen. Man sieht hier Hunde in Kleidern und mit Schuhen und daneben streunende, magere Kätzchen. Die Menschen leben in hochmodernen Compounds und ärmlichsten Baracken friedlich nebeneinander. Als Expat kann man sich in Schanghai problemlos zu jeder Tages- und Nachtzeit gefahrlos (man muss nur den Verkehr im Auge behalten) bewegen. Supermärkte haben fast rund um die Uhr Geschäftszeit, und auch am Sonntag sind zumeist alle Geschäfte und Märkte geöffnet.

In der „Stadt am Meer”, wie Shanghai übersetzt wird, leben derzeit circa 100.000 Ausländer. Die deutsche Community mit rund 10.000 Expats stellt eine der größten Ausländergruppen dar, und man beherrscht das Netzwerken perfekt. In Schanghai findet man generell sehr schnell Anschluss, wenn man möchte. Man trifft sich auf Veranstaltungen der Handelskammer zum geschäftlichen Austausch, bei Expat-Stammtischen oder auch auf privat initiierten Events, wie Grillfesten, Grünkohlfahrten oder Afterwork-Cocktails. Und natürlich darf auch das Oktoberfest oder der Weihnachtsmarkt nicht fehlen. Privates und Geschäftliches mischt sich in dieser Metropole ganz selbstverständlich – der Übergang zwischen Arbeitszeit und Freizeit ist fließend. Und auch die chinesischen Kollegen sowie neugewonnenen Freunde sind überall mit von der Partie und tragen zum großen internationalen Come-Together bei.

I love Schanghai
Zusammenfassend kann ich sagen, dass diese Stadt sehr viel zu bieten hat und man als Neuzugang hier freundlich und mit offenen Armen empfangen wird.