Einmal Shanghai und zurück

Einmal Shanghai und zurück

 Anja Brandau erzählt von ihrem Auslandsaufenthalt in China

Es ist Donnerstagnachmittag, Ende Januar, in Frankfurt am Main. Ich treffe Anja Brandau in ihrem Büro auf der Kaiserstraße, mitten in der Frankfurter Innenstadt. Das Büro von Adecco befindet sich in unmittelbarer Nähe der Hauptwache, des Dreh- und Angelpunkts der Frankfurter City. Wir wollen uns über ihren einjährigen Auslandsaufenthalt in Shanghai unterhalten, wobei uns der Gesprächsstoff nicht ausgeht. Es gibt so viel zu erzählen, dass unser „Exklusivinterview“ viel länger als geplant dauert.
adecco-mehr-von-uns-shanghai-bild-1Bisher kannte ich Anja Brandau nur aus Telefonaten und von ein paar Bildern, die sie uns während ihres Shanghai-Aufenthalts geschickt hat. Anja Brandau lacht gerne und viel, wir sind uns direkt sympathisch. Auf ihrem Schreibtisch stehen bereits Andenken an die Zeit in China, wie die Winkekatze und ein Teamfoto, und der Willkommensgruß ihrer Frankfurter Kollegen und Kolleginnen hängt noch an der Wand. Denn in Deutschland wieder angekommen ist sie erst im Dezember. Das ist noch gar nicht so lange her, und die Wehmut an die schöne Zeit und das Fernweh nach China merkt man ihr förmlich an. Die halten sie nicht davon ab, mit ihrer ganzen Energie, Kreativität und Lebensfreude wieder in ihren neuen/alten Job hier in Deutschland einzusteigen.

Doch schauen wir einmal zurück.

Wie ist Anja Brandau überhaupt nach Shanghai gekommen? 2012 wurde die Stelle Account Executive International Sales deutschlandweit in der Adecco Gruppe ausgeschrieben. Da ihr Mann zum gleichen Zeitpunkt ein Projekt in Shanghai erhielt, wurde die Entscheidung, sich auf die Stelle zu bewerben und mit ins Ausland zu gehen, ganz schnell getroffen. Innerhalb von zwei Wochen nach der Zusage saß sie bereits im Flieger, um für ein Jahr als Expatriate in Shanghai für FESCO Adecco als Account Executive International Sales zu arbeiten.

adecco-mehr-von-uns-shanghai-bild-3Was bewegt einen Menschen, wenn er in so kurzer Zeit alle Zelte abbricht und an das andere Ende der Welt zieht? Für Anja Brandau war es so, dass sie innerhalb der zwei Wochen eigentlich keine Zeit hatte, sich darüber Gedanken zu machen. Es musste einfach alles schnell gehen. Eine Sorge hatte sie allerdings: Würde ihr Englisch für den professionellen Gebrauch und im Alltag ausreichen? Die
Sorge wurde ihr direkt genommen, denn die neuen, internationalen Adecco-Kollegen, auch Expatriates für ein Jahr, waren ebenso keine Muttersprachler. So wurde alles gemischt: europäische Sprachen mit dem Chinesischen und umgekehrt. Zur Not verständigte sie sich eben mit dem Google Translator auf dem Wochenmarkt oder bat auch mal die chinesischen Kollegen, eine Onlinebestellung für sie zu tätigen.

„Grace“ und „Security“

adecco-mehr-von-uns-shanghai-bild-5In unserem Gespräch erzählt sie mir von ihren ersten Wochen in der neuen und doch so fremden Heimat. Zwei Wochen lang wurde sie geschult: in chinesischem Arbeitsrecht, der Kultur, der Sprache, über die Marktsituation und in vielem mehr. In diesen zwei Wochen erhielt sie bereits auch ihren chinesischen Namen. Den erhält dort jeder. Er orientiert sich an zwei Aspekten: an der Aussprache des europäischen Namens und dem persönlichen Charakter. Übersetzt
bedeutet ihr chinesischer Name „Grace“ und „Security“. Der chinesische Name ist besonders wichtig; er muss eine positive Bedeutung haben und ist ein ganz besonderes Statussymbol. Die Schriftzeichen fanden sich dann fortan auf ihrer chinesischen Visitenkarte wieder. Davon sollte sie in den nächsten Monaten rund 1.500 Stück verteilen, denn ohne Visitenkarte funktioniert in China keine digitale Kultur: Die chinesischen Kollegen geben sich zwar englische Namen, führen aber trotzdem ihren chinesischen Namen weiter. So kommt es ohne Visitenkarte zwangsläufig zu Verwirrung.

Dass es sich in China ganz anders lebt, die Kultur sich so grundsätzlich von der unseren unterscheidet, das erscheint direkt einleuchtend. Daher habe ich Anja Brandau auch gefragt, inwiefern die Arbeit in China anders war, als ihr Job in Deutschland. Auch hier spielte der Faktor „Europäer im Ausland“ eine ganz wichtige Rolle. Da sie in ihrer Funktion bei FESCO Adecco eine Vermittlungsrolle zwischen deutschen Managern aus deutschen Unternehmen in China und ihren chinesischen Kollegen spielte, war direkt eine Verbundenheit zwischen den Europäern vorhanden. Jeder fällt dort durch seine Andersartigkeit direkt auf. Ihre deutschen Geschäftspartner waren teilweise auch sehr erleichtert, ein Gegenüber zu haben, das nicht nur die gleiche Sprache sprach, sondern auch die deutschen Bedürfnisse, wie Planungssicherheit, Rechtskonformität (Compliance) und Genauigkeit, ohne weitere Erklärung verstand.

Zurück in Deutschland

Eines – das verriet mir Anja Brandau, als es draußen bereits dunkel wurde – vermisst sie hier in Deutschland bereits jetzt schon sehr: das Großraumbüro mit ihren 150 chinesischen und internationalen Kollegen und Kolleginnen. Wenn es häufig auch dem Gewimmel in einem Bienenstock glich, fand dort ein sehr reger Austausch mit ihren neuen Kolleginnen und Kollegen statt. Ihr internationales Expatriate-Team vermisst sie ebenfalls sehr. Denn das kann sie mit Sicherheit sagen: Aus Kollegen sind in diesem einen Jahr Freunde geworden. Die vielen gemeinsam besuchten Networking-Events, die Expatriate-Veranstaltungen, die FESCO Adecco Teambuilding-Maßnahmen und Termine für soziale Projekte (zum Beispiel der gemeinsame Lauf für Win4Youth) sowie die Besuche in noch unbekannten Restaurants und Museen haben die Teammitglieder in kurzer Zeit sehr herzlich miteinander verbunden.

adecco-mehr-von-uns-shanghai-bild-2Auch über die chinesische Kultur weiß Anja Brandau viel zu berichten: über die vielen Visitenkarten, die komischen englischen Namen (Summer, Autumn, Winter, Snow) der chinesischen Kollegen und Kolleginnen, das Teetrinken (Nein, es gibt so gut wie keine Kaffeetrinker in China! Starbucks versucht gerade erst, auf dem Markt Fuß zu fassen), die Servicewüste in Restaurants, die Schnelligkeit der alltäglichen Dienstleistungen, die Onlinebestellung bei McDonald‘s, die Firmenkommunikation via Smartphone-Apps, den Hunger der Chinesen nach echten Marken und Luxusprodukten – und die Geringschätzung für die Imitate – die fehlende Höflichkeit, Fahrgäste zuerst aussteigen zu lassen, bevor man selbst einsteigt, und vieles, vieles mehr.

Dankeschön!

adecco-mehr-von-uns-shanghai-bild-4Eigentlich könnten wir beide gar nicht mehr aufhören, über Shanghai zu reden. Doch es ist bereits sehr spät geworden in Frankfurt. Eines möchte Anja Brandau mir noch mit auf den Weg geben: ein Dankeschön an unsere Geschäftsführerin Petra Reinholz und Vertriebsdirektorin Jennifer Stein, dass sie während der Zeit den Kontakt zu ihr gehalten und im Anschluss an ihr China-Abenteuer eine Stelle für sie gefunden haben, die ihren neu gewonnenen Arbeitserfahrungen entspricht – und neugierig auf ihre Ideen und Vorschläge sind. Als Managerin im Key-Account möchte Anja Brandau auch in Zukunft eine Brücke nach Shanghai schlagen und deutschen Unternehmen, die in China Fuß fassen wollen beratend zur Seite stehen – und auch die entsprechenden Kontakte zu ihren chinesischen Kolleginnen und Kollegen vermitteln.

Ich bedanke mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Anja Brandau für das Exklusivinterview und die Zeit, die sie sich immer wieder für ihre Berichte genommen hat. Es war mir eine Freude und ich wünsche ihr, dass sie die Begeisterung für ihren Shanghai-Aufenthalt und die daraus resultierende Inspiration in ihrer Arbeit einbringen kann!

Julia Jachmann, 30. Januar 2014, Düsseldorf